44 Palmyra die Dritte

August 2, 2009

Intro

Ich gebe zu, dass ich mich in Palmyra die Königin der Wüste Hals über Kopf verliebt habe. Jede Frau, die einen Platz in meinem Leben einnehmen sollte bzw. möchte, muss sich darauf einstellen ihn mit Palmyra teilen zu müssen. Nun zum dritten Mal innerhalb von vier ereignis- und erlebnisreichen Wochen besuchte ich diese faszinierende Perle menschlichen Schaffens und ich übertreibe glaube ich nicht, wenn ich behaupte, dass Fabi ähnliche Gefühle für Palmyra aufgebaut hat (Sorry Jassy).

Palmyra all over again

Wir erreichten Tadmur nach 2stündiger Fahrt durch eine kraterverzerrte Mondlandschaft in der heißesten Zeit des Tages und die Sonne brannte die Farbe aus unseren Klamotten, als wir ins Hotel Ishtar traten. Nach kurzer Verhandlung hatten wir ein Doppelzimmer gemietet, unsere Baggage deponiert und Fabi drängte mich vor die Tür um endlich eines der grandiosesten Trümmerfelder der antiken Welt zu durchlaufen. Im Auto fuhren wir bis vor den Tempel of Bhal. Kurz Tickets gekauft und in den Innenhof gegangen, erlebte ich Fabi das erste Mal seit langer Zeit vollkommen sprachlos (endlich ;) ) ob der „magnificence“ der Ruinen. Um die ersten Eindrücke gebührend zu verarbeiten setzten wir uns in den Schatten auf einige der unendlichen friedlich schlummernden Säulenteile in der Nähe des Eingangs, worauf nach einigen Minuten ein älterer Syrer auf uns zutrat und unsere Meditationen respektvoll unterbrach: „You will know nothing without a guided tour of the Temple“. Mit den sehr positiven Erfahrungen, die wir mit Führern in Bosra und im Krak gemacht hatten, im Hinterkopf waren wir mehr als bereitwillig uns an der Hand eines fachkundigen und lizensierten Führers durch den Tempel führen zu lassen. Mit seiner Hilfe war es mir möglich mir noch unbekannte Geheimnisse und Hintergründe des Tempels zu entdecken und zu entschlüsseln. Wir verbrachten en total über zwei Stunden im Tempel und kamen zu dem Entschluss, dass es unsere heilige Pflicht ist unsere Kinder, sobald sie denn in einem altersgerechten Zustand existieren mögen, nach Palmyra zu schleppen, um ihre Nasen in den Wüstensand zu drücken und sie Staub von Jahrtausende alte Ruinen zu inhalieren.

In unserem Mietauto fuhren wir gegen 18 Uhr hoch zur Zitadelle Qalat Ibn Maan, die die gesamte Ebene und das Ruinenfeld überblickt. In der Zitadelle bleiben wir bis es Zeit für den absolut sehenswürdigen Wüstensonnenuntergang war. Dafür kletterten wir auf einen kleinen Kamm vor der Zitadelle und saßen ganz alleine auf vom Eisenerz rotgefärbten Sand und Stein, warteten auf den Sonnenuntergang, genossen schweigend den Blick auf die Palmyra abgewandte Ebene und Hügelkette, während uns der Wüstenwind ins Gesicht blies. Leider muss unsere Idee so gut gewesen sein, dass innerhalb von 5 Minuten der ganze Frieden und die Ruhe wie fortgeblasen waren. Gleich drei Busladungen von italienischen und holländischen Touries wurden am Fuß des Kamms entladen, sahen uns und eine Völkerwanderung begann. Um uns herum saßen ca. 30 lautstark sabbelnde Spaghettiwesterndarsteller – wir verabschiedten uns fluchend just in der Sekunde als die rotglühende Sonne sich hinter dem Gebirge verflüchtigte. Anschließend fuhren wir ins Hotel duschten unsere schwitzigen und klebrigen Körper ab und gingen essen. Es gab Mansaf – Reis mit Nüssen, Zimt und Hühnchen – sehr schmackhaft und genau das richtige für Fabis geschundenes Verdauungssystem.

Vollgestopft sprangen wieder in unser Vierrad und fuhren in der Dunkelheit zu der teilweise angestrahlten Ruinenstadt bis zum Tempel von Bhal. Als alte Draufgänger schlenderten wir – Unwissenheit und touristische Ignoranz vorgaukelnd – in den Tempel durch einen der geöffneten Seiteneingänge. Nachts ist der Besuch des Tempels nicht möglich aber wir sahen das offene Tor als Einladung einige Fotos zu knippsen bis ein junger Syrer vom hinteren Teil des Tempels auf uns zu ging. Er erklärte uns, dass der Tempel geschlossen sei. Ich tischte ihm eine Geschichte auf: „Oh, we didn’t know that. We just arrived tonight and saw that the gate was open“ worauf er seinen Kopf schräg stellte und mich aus seinen kleinen dunklen Augen mißtrauisch ansah und erwiderte: „Well I saw visiting the temple earlier today and now the temple is only open for me“. Grinsend verwickelte ich ihn eine sehr oberflächliche und belanglose Konversation über Tempel im Mondlicht und verschaffte somit dem wild mit der Kamera um sich schießenden Fabi ein wenig mehr Zeit Fotos vom nächtlichen Tempel zu machen bevor wir uns freundlich verabschiedeten und zurück ins Hotel rollten.

Ein langer und verdammt guter Tag neigte sich dem Ende zu. Wir schmissen uns zwischen die Laken und ließen uns vom Schlaf übermannen.

Shalom

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