Abschlussblog I:

August 18, 2009

(Jämmerliches) Intro

Ja, ja – schon seit fast zwei Wochen bin ich wieder in Hamburg UND ich habe NICHTS gepostet, geschrieben oder gebloggt. Und nun stehe ich vor der schier unlösbaren Aufgabe einen Abschlussblog zu für meinen mehr oder weniger abenteuerlichen sieben wöchigen Aufenthalt in Syrien zusammenzustricken. Unlösbar, weil ich schon seit fast zwei Wochen wieder in Hamburg bin und Syrien mehrere tausend Kilometer entfernt und viele Jahre zurück liegen scheint. Ja ich habe mich gedrückt meinen Blog zu ende zu bringen, ihn abzuschließen und einen versöhnlichen und befriedigenden Schlussstrich zu ziehen. Das „Offenhalten“ des Abenteurs lässt mich ein wenig zwischen den Welten verharren und isoliert mich vor den vor mir liegenden Aufgaben und Hürden, die zu überwinden sind.

Aber nun versuche ich einfach mal meine konfusen Gedanken zu ordnen und dieses Kapitel meines Lebens zumindest pseudo-literarisch zuzuklappen.

Last of Days in Damn-ass-kiss

Meine letzten drei Tag in Syrien waren – im Gegensatz zu der Woche zuvor – langweilig, höhepunktslos und sehr, sehr erholsam. Denn nach über vier Wochen Belagerung von Dari (2 Wochen), meinen mutmaßlichen Erzeugern (9 Tage) und Fabi (eine Woche), meinem Abschlussexamen und einer einwöchigen Reise kreuz und quer durch Syrien war ich einfach erschöpft und bereit mich für die letzten Tag in mein soziales Netzwerk in Damaskus fallen zu lassen, dass ich während der Belagerungsphase sträflich vernachlässigt hatte.

Die letzten Tage nutzte ich um meinen Blog zu schreiben, ins Fitnessstudio zu gehen, alle möglichen Souvenirs abzuschießen (auch ich bin mit 7 Schals nach Hause gefahren), 2 ½ Stunden mit der Italo-Indonesierin Dewi im Serail gedänct (die dann doch nicht knutschen wollte und ich mich dann zurück in mein Haus trollte) und das letzte Mal die damaszener Luft einzusaugen.

Aufbruchtag

Am letzten Tag hatte ich mein Zimmer so gut wie evakuiert und mich dazu entschlossen bis 1:00 wach zu bleiben, um dann mit dem Taxi zum Flughafenshuttlebus zu fahren, um rechtzeitig um die Unzeit 4:00 morgens in den Flieger zurück in die Heimat zu nehmen. Ich hatte meinen Rucksack und meinen Koffer bis zum Bersten vollgestopft inklusive 1,2kg orientalische Gewürze, die ich etwas unerklärlich in meinen Rucksack, sprich mein Handgepäck gesteckt hatte – was natürlich bedeutete, dass ich auf der ganzen Heimreise wie eine syrische Großküche duftete und die meisten Menschen etwas irritiert um sich schauten, schnüffelten und den Kopf kratzten, wenn sie in meinen Dunstkreis gerieten.

Ich hatte überhaupt keine Probleme wach zu bleiben, denn – was für ein glücklicher Zufall – der HSV lief im Satelittenfernsehen gegen Düsseldorf im Pokalspiel auf. So machte ich es mir im Bett gemütlich und schrie den HSV – nach erfolgreichen Elfmeterschießen (Danke, Wehrmacht-Rost) – zum fast schon entgliettenen Sieg. Meine Mitbewohner waren anfangs etwas überrascht, wegen meines Gebrülls, aber in den vielen Spielunterbrechungen klärte ich sie über die Bedeutsamkeit des Pokalkrimis und des inoffziellen Saisonstarts auf.

Rrrrrrrrrreise mit Leo dem Schwedo-Syrier

Vollkommen euphorisiert nach dem glücklichen Ende und Ausgang des Spiels und der Aussicht in Kürze in Hamburg aufzuschlagen, brach ich um kurz vor eins aus der Wohnung auf.

Nach kurzer und uninteressanter Taxifahrt zum Shuttlebus in Baramke, kaufte ich mir ein Busticket und setzte mich in den schon wartenden Bus, wo ich Bekanntschaft mit Leo schloss. Leo, 30, ist Syrer und hatte seine MAMA – „I rrrreally love my mother (ich auch nebenbei) – besucht und sich eine potentielle syrische Braut angeschaut bevor er zurück nach Stockholm fliegen wollte, wo er bald einen Schwedischexamen bestehen muss, um Zugang zur Uni dort zu bekommen. Wir entschlossen Freunde zu werden, auch wenn Leo besser Schwedisch als Englisch sprach, wir uns also in einem Kauderwelsch aus Deutsch, Schwedisch, Englisch und Arabisch unterhielten.

Anstatt eine Braut mit nach Schweden zu bringen, hat er – dank den Kochkünsten seiner Mutter – mehrere Kilo in seiner Bauchregion eingepackt.

Am Flughafen musste Leo erstmal eine Zigarette turboinhalieren bevor wir uns – es war erst viertel vor 2 – in die Schlange zum Abflugsterminal stellten.

Trotz meines Gewürzdüfte verströmenden Rucksacks, des ruhig schlummernden Laptops und meinen vielen Vokabelkarten wurde ich durch die erschreckend laxe Sicherheitsröntgenbeamkontrelle gewunken. Mein neuer Travelfreund Leo hingegen musste sich praktisch bis auf die Unterbüx nackig machen, da er – aus mir total unerfindlichen Gründen – eine syrische Lampenanlage mit langer Kabelage nach Schweden mitbringen wollte. Zum Glück war dieses technisch-hochwertige Elektrogimmik in seinem Koffer verstaut und nicht in seinem Handgepäck. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich lauthals nach Hilfe, Terror und Mordrio geschrien. Netterweise wartete ich auf Leo, obwohl ich schon von den etwas verwirrten Sicherheitsmenschen weggeschickt wurde. Ich musste ihnen erklären, dass ich auf den Lampenleo wartete.

Dann ging es zum Maalev Schalter an dem Menschanmassen mit noch mehr Koffern sich die Beine in den Bauch standen und ganz entspannt warteten. Leo und ich scannten die vor und hinter uns positionierten Damen und kamen zur Conclusio, dass es im Osten und Westen unterschiedliche Schönheitsideale gibt. Leo: „No, no I do no like her, I like fat girls“ und wies mit einer unscheinbaren Handbewegung auf eine junge Dame, die förmlich aus ihrer knallengen Jeans platzte. Ganz abgetan war ich nicht, obwohl mir diese etwas zu offensichtlich dargestellt pralle Leibesfülle, ein wenig zu viel war. Ich hingegen zeigte auf eine schlanke, Anfang 20jährige Syrerin (?) mit Perlenohringen, Hemd und knallenger Röhrenjeans, die es schaffte auf ihren Stilettoabsätzen ohne größere Gleichgewichtsprobleme über den blitzend polierten und gewaxxxten Flughafenboden zu stolzieren. Gut, nicht ganz mein Style – aber ihre natürliche Überheblichkeit, Arroganz und „ich-weiß-das-ich-heiß-bin-und-Du-mich-schon-seit-90-Minuten-anglotzt-Art“ machte einen prägnanten Eindruck auf mich.

Nun begann der Lauf bzw. das Kriechen durch die Mühlen der syrischen Reisebürokratie: erstmal 20Euro Ausreisesteuer am eigens eingerichteten Ausreisesteuerzahlschalter entrichten – weil mein Ticket etwas älter ist, ist diese noch nicht im Flugticketpreis enthalten und dann zum Passcheck. Hier warteten Leo und ich über eine Stunde bis wir endlich von den enervierend entspannten Zollbeamten bearbeitet wurden – der Überwachungsstaat muss natürlich auch sichergehen und festhalten, wann die potentiellen Spione wieder außer Landes verschwinden. Zum Glück war besagt-beschriebene junge Syrerin mit ihrer Familie in meiner Nachbarschlange ein paar Meter vor mir und ich konnte sie in ihrer ganzen unberührbaren Pracht bewundern und bestaunen.

Im Flieger wurden Leo und ich getrennt – er schaffte es irgendwie sich in die Business Class zu schummeln und ich saß neben einem konstant kuschelnden syrischen Jungehepaar, dass die Finger nicht von sich lassen konnte, bis der Ehemann irgendwann mit seinem Kopf auf dem verhüllten Kopf seiner an die Bordwand gepressten Frau friedlich eingeschlafen war. Ich versuchte zu lesen, aber seltsamerweise, war genau mein Flugzeuglichtstrahler etwas notdürftig mit Gaffer-Tape abgeklebt worden und so floh – immer mal wieder – ich in einen sehr angespannten und wenig erholsamen Halb- bis Viertelschlaf.

Von Ungarn sah ich wieder nur den Flughafen, wo ich die aufgedonnerten, braungebrannten, in Flipflops und kurzen Hosen umherwandernden Pauschaltouristen bewunderte und mich glücklich schätzte, dass ich mit meinen langen Hosen und festen Schuhen – und immer noch BLENDEND weißen Haut – von ihnen absetzten konnte. Ich kaufte für die letzten zusammengekratzten Euro einen substandardisierten Maschinencappuchino, dessen Milschaum gelangweilt auf braunen Untergrund seine Kreise zog und wartete um ENDLICH wieder in die so geschätzte Heimat zu kommen.

TOUCHDOWN für Ben in Hämbörch

Der Flug bescherte mir ein paar weitere Stunden Schlaf und im morgentlichen Sonnenschein flog ich über Norderstedt in die so geliebte Hansestadt. Nachdem man uns durch den ganze Flughafen gescheucht hatte – unser Flieger dockte am äußersten Ende von Terminal 2 an und wir mussten bis zum Anfang von Terminal eins marschieren – packte ich nach 30 minütiger Kofferbeschau im monotonen Loopverfahren meinen Koffer und blitzte unter einem Lächeln versteckt meine Zähne den Grenzbeamten entgegen, die mich uninteressierte passieren ließen. Meine lieben Eltern bildeten das Empfangskommittee und bugsierten mich im metallic blauen Honda Jazz Kleinwagen unbehelligt in ihr Niendorfer Domizil, wo ich mit den besten Brötchen Hamburgs, mit daumendigger Leberwurstschicht veredelt, so gemästet würde, dass ich sofort nach einem Bett schrie bevor ich auch nur irgendwie einen Versuch machte meine soziales Umfeld in Hamburg zu reanimieren. Es war kalt in Hamburg – was nach 50° in der Sonne in Damascus wenig verwunderlich sein sollte. Trotzdem nervten mich meine aufgestellten und sich am T-Shirt warmreibenden Nippel und die feuchte Morgenkälte von 20° in Hamburg. Wenigstens kein Regen – der hätte mich umgehauen!!

Shalom

P.S. Eine anständige Abschluss- bzw. Ankunftsanalyse kommt in den nächsten Tagen… Inshaaaallaaaaa

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Intro

Mein morgen in Palmyra begann mit ungeteilter Zweisamkeit; nur ich und meine geliebte Ruinenstadt im frühmorgentlichen Sonnenschein. Die Laufschuhe geschnührt, die Badebüx angeworfen, fand ich mich um 7 Uhr morgens durch das Gelände joggen. Vom Hotel trabte ich zum Bhal Tempel, den ich umrundete, dann weiter auf der Straße hoch ins Valley of the Tombs,wo mich ein so mächtiger Wind mich scheinbar davon abhalten wollte die 2000jährige Ruhe der Toten zu stören und ich umkehrte. Das letzte Mal – bis zu meinem hoffentlich baldigen Besuch Inshallah – lief ich die Siegessäulenstraße hinauf und wieder hinab und zurück zum Hotel Ishtar.

Mein Rückeintritt ins Zimmer rüttelte Fabi aus seiner REM-Phase und nach kurzer Abkühl-, Aufwach-, Abduschphase (ähem, jeder für sich natürlich) gingen wir im benachbarten Pancakehouse frühstücken, wo wir uns etwas westlich arrogant über die Unfähigkeit der beiden Bedienungen lustig machten, ein grimmiger Vater und sein kleiner 7jähriger Sohn, der so tat als ob er Englisch sprechen könnte, aber als es ernst wurde ganz schnell seinen Erzeuger holte. Ich muss ihn mit meiner erst etwas schroffen, dann überschwänglich freundlichen Art überfordert haben, aber der kleine hatte Fabi gefressen. Er zeigte ihm sein Radio bzw. Mediaplayer im Handyformat und präsentierte uns ganz stolz aus dem Internet herunter geladenen Bilder von „Sadam“, wie er mit aufgeschlitzter Kehle und ausdruckslosen – WEIL TOTEN – Augen ins Nichts blickte. Hm ok.

Kurz nach dem Frühstück ging es zum lokalen Schuster, den ich schon mit Dari mit Devisen versorgt hatte und Fabis grandiose „ICHKAUFESYRIENLEER-TOUR“ begann, mit dem Erwerb von zwei Kamelledergürteln.

Exkurs: Was ist ein Dromedar?

Exkurs: Fabi und ich stritten die Hälfte der Reise – auch mit Bewaffung, wie z.B. alten schweißigen Socken (die ich aber peinlicherweise immer neben das Ziel feuerte, und das als alter Baseballveddderaaahhhhn) – ob die einhöckerigen Wüstenreittiere nun Dromedare oder Kamele seien. Fabi vertrat die Meinung, dass es sich strikt um Dromedare handele und ich hingegen war davon überzeugt, dass es sich um Kamele handele und die zweihöckrigen Cousins Dromedare seien. Ein kurzer Blick auf Wikipedia offenbarte, dass wir beide Falsch lagen, da dort verlautbart wird, dass sowohl Dromedare (einhöckerig) als auch Trampeltiere (zweihöckerig) jeweils Kamele sind – worauf wir alten Weisen aus dem Abendland uns schon so halb drauf geeinigt hatten. Dromedare, oder „arabische Kamele“ und Trampeltiere werden in die gleiche Gruppe eingeordnet: „Altweltkamele“ (Camelus), während die zweite Gruppe, dementsprechend „Neuweltkamele“ sind, wie z.B. Lamas etc. Faszinierend!!

Back to Damn-ass-kiss

Von Palmyra düste Fabi schnellstmöglich nach Damascus, denn wir waren uns nicht ganz sicher ob wir den Wagen am Abend bzw. exakt 24 Stunden nach Übergabe wieder abzugeben hatten. Mit einer Stunde Verspätung kamen wir vorm Cham Palace Hotel in Damascus an; keine Sekunde zu früh, denn schon seit einer Stunde hatte ich meine Blase bis zum Bersten gefüllt, was sie mir schmerzhaft signalisierte. Jeder kleine Stein, jede kleine Unebenheit und jedes kleine Loch in der Straße – von denen es einige in Syrien, trotz der insgesamt hervorragenden Straßenverhältnisse – ließ mein Innerstes verkrampfen und Schmerzwellen markerschütternd von Blase konzentrisch austrahlen. Puargh. Ich hatte mich schon auf die Rückbank gepresst und manövriert – bewaffnet mit einer leeren ein und halb Liter Flasche und einem Sichtschutz-T-Shirt, aber als ich dann nach Erleichterung trachtete, setzte sich meine protestantische Scham durch. Nichts lief. Garnichts. Allhamdulilah für das 5-Sterne-Delüxe-Klo im Cham Palace. Gerade zu orgasmusähnlich war meine Abfluss… Genug!

Der Autovermieter dachte, er könnte uns überreden ein Blankopapier zu unterschreiben, damit wir – natürlich ganz zuverkommend ohne größere Verzögerung unsere Reise in Damn-ass-kiss fortsetzen konnten – Fabi der Wachhund und 1.000$ Kaution Hinterleger ließ sich natürlich nicht auf einen solchen Handel ein. Auch wies er die Frau hinter dem Tresen, als es um die Bezahlung ging, freundlich aber sehr direkt darauf hin, dass sie uns eine Preiskategorie zu hoch abkassieren wollte. Aber nich‘ mit uns Frollllein. So nich‘!!

Shop till ya drop

Zu Fuß spazierten wir in der Mittagshitze zu meinem Haus in Altstadt, legten unser Gepäck ab und dann war es meine Aufgabe den Shoppingberater bzw. -organisator zu mimen. Der Herr Schlüter wollte Süßigkeiten – nachdem ich ihn unablässlich von deren außergewöhnlichen Qualität vollgedröhnt hatte – Schals, Gewürze, ein Backgammon Spiel und eventuell (Gold-)Schmuckstücke für seine Liebste käuflich erwerben. Als erstes brachte ich ihn zum Schalparadies, wo Dari sich schon dumm und dämmlich in eine Blutrausch gekauft hatte. Hier hielt er sich allerdings noch etwas zurück und investierte NUR in drei Schals. Etwas unter Druck gesetzt – auch das außergewöhnliche Schalangebot in Damaskus hatte ich in blumigen Worten angepriesen – schleppte ich ihn zum nächsten Laden, wo wir die folgende 90 Minuten verbrachten. Unser Fashionvictim ließ sich mit Sicherheit über 40 Schals zeigen, die er feinsäuberlich in drei Stapel sortierte, die aber mehrfach reorganisierte; 1. Auf jeden Fall kaufen, 2. vielleicht kaufen und 3. auf keinen Fall kaufen. Der Verkäufer war ein mittelälterlicher Meister seines Faches, der Fabi immer weiter anstachelte und es irgendwie schaffte unserem Wachhund die Notwendigkeit zu vermitteln, dass nicht weniger als 10 Schals ausreichen würden, um als glücklicher Kunde wieder vor die Tür zu treten. Und das obwohl es keinen (Mengen-)Rabatt whatsoever gab. Mit zehn Schals in einer großen Tüte verließen wir den sich seine Hände reibenden Schalpusher…

Weiter ging es zum Süssis-Mann wo wir in der Schlange auf einen Libanesen trafen, der in Dortmund zu Hause ist und uns sehr freundlich aber auch ein wenig anhänglich von sich erzählte. Er half uns aber Fabis Süssis Bestellung erfolgreich abzugeben und schließlich verabschiedeten wir uns in Richtung Gewürzsuq wo Fabi sich 200Grammtütenweise Gewürzmischungen abfüllen ließ, diese mit Edding beschriftete: Fleisch, Fleisch II, Hünchen, Hünchen II, Gemüse etc. und dann das Gefühl hatte über den Tisch gezogen geworden zu sein. Bei ca. einem Kilo Gewürze für 8 Euro vielleicht nicht ganz so schlimm.

Unser nächster Stopp war ein Abschiedsessen im al-Khawali bevor wir Fabi ein wirklich schönes, wenn auch sehr schlichtes Schachset kauften und zur Belohnung im Cafe Domino eine NUN WIRKLICHE Abschiedswasserpfeife gönnten und die gemeinsamen Tage Revue passieren ließen. Gegen 21 Uhr packte Fabi kurz seine Sachen und ich ihn mein Bett, damit er in der Hoffnung vorschlafen zu können, für den nächsten arbeitsreichen Tag gut und erholt vorbereitet zu sein. Aus meinem Zimmer und Bett verbannt, machte ich es mir im Internetcafe bequem bis ich den Goldjungen um 1:30 aus seinen Träumen riss, da ihn ein Fahrer um 2 zum Flughafen kutschieren würde. Der Abschied war herzlich und kurz. Und gegen 2:15 lag ich im Bett, aber leider wide awake, weil ich mich mit Kaffee so zu gekippt hatte, dass ich nur so zitterte. Gegen wir war auch ich dann schlafbereit…

Shalom

Tempelraeuber

August 2, 2009

Tempeldiebe

Saeulenbeinacht

Wuestensoehne

August 2, 2009

Benfabi

44 Palmyra die Dritte

August 2, 2009

Intro

Ich gebe zu, dass ich mich in Palmyra die Königin der Wüste Hals über Kopf verliebt habe. Jede Frau, die einen Platz in meinem Leben einnehmen sollte bzw. möchte, muss sich darauf einstellen ihn mit Palmyra teilen zu müssen. Nun zum dritten Mal innerhalb von vier ereignis- und erlebnisreichen Wochen besuchte ich diese faszinierende Perle menschlichen Schaffens und ich übertreibe glaube ich nicht, wenn ich behaupte, dass Fabi ähnliche Gefühle für Palmyra aufgebaut hat (Sorry Jassy).

Palmyra all over again

Wir erreichten Tadmur nach 2stündiger Fahrt durch eine kraterverzerrte Mondlandschaft in der heißesten Zeit des Tages und die Sonne brannte die Farbe aus unseren Klamotten, als wir ins Hotel Ishtar traten. Nach kurzer Verhandlung hatten wir ein Doppelzimmer gemietet, unsere Baggage deponiert und Fabi drängte mich vor die Tür um endlich eines der grandiosesten Trümmerfelder der antiken Welt zu durchlaufen. Im Auto fuhren wir bis vor den Tempel of Bhal. Kurz Tickets gekauft und in den Innenhof gegangen, erlebte ich Fabi das erste Mal seit langer Zeit vollkommen sprachlos (endlich ;)) ob der „magnificence“ der Ruinen. Um die ersten Eindrücke gebührend zu verarbeiten setzten wir uns in den Schatten auf einige der unendlichen friedlich schlummernden Säulenteile in der Nähe des Eingangs, worauf nach einigen Minuten ein älterer Syrer auf uns zutrat und unsere Meditationen respektvoll unterbrach: „You will know nothing without a guided tour of the Temple“. Mit den sehr positiven Erfahrungen, die wir mit Führern in Bosra und im Krak gemacht hatten, im Hinterkopf waren wir mehr als bereitwillig uns an der Hand eines fachkundigen und lizensierten Führers durch den Tempel führen zu lassen. Mit seiner Hilfe war es mir möglich mir noch unbekannte Geheimnisse und Hintergründe des Tempels zu entdecken und zu entschlüsseln. Wir verbrachten en total über zwei Stunden im Tempel und kamen zu dem Entschluss, dass es unsere heilige Pflicht ist unsere Kinder, sobald sie denn in einem altersgerechten Zustand existieren mögen, nach Palmyra zu schleppen, um ihre Nasen in den Wüstensand zu drücken und sie Staub von Jahrtausende alte Ruinen zu inhalieren.

In unserem Mietauto fuhren wir gegen 18 Uhr hoch zur Zitadelle Qalat Ibn Maan, die die gesamte Ebene und das Ruinenfeld überblickt. In der Zitadelle bleiben wir bis es Zeit für den absolut sehenswürdigen Wüstensonnenuntergang war. Dafür kletterten wir auf einen kleinen Kamm vor der Zitadelle und saßen ganz alleine auf vom Eisenerz rotgefärbten Sand und Stein, warteten auf den Sonnenuntergang, genossen schweigend den Blick auf die Palmyra abgewandte Ebene und Hügelkette, während uns der Wüstenwind ins Gesicht blies. Leider muss unsere Idee so gut gewesen sein, dass innerhalb von 5 Minuten der ganze Frieden und die Ruhe wie fortgeblasen waren. Gleich drei Busladungen von italienischen und holländischen Touries wurden am Fuß des Kamms entladen, sahen uns und eine Völkerwanderung begann. Um uns herum saßen ca. 30 lautstark sabbelnde Spaghettiwesterndarsteller – wir verabschiedten uns fluchend just in der Sekunde als die rotglühende Sonne sich hinter dem Gebirge verflüchtigte. Anschließend fuhren wir ins Hotel duschten unsere schwitzigen und klebrigen Körper ab und gingen essen. Es gab Mansaf – Reis mit Nüssen, Zimt und Hühnchen – sehr schmackhaft und genau das richtige für Fabis geschundenes Verdauungssystem.

Vollgestopft sprangen wieder in unser Vierrad und fuhren in der Dunkelheit zu der teilweise angestrahlten Ruinenstadt bis zum Tempel von Bhal. Als alte Draufgänger schlenderten wir – Unwissenheit und touristische Ignoranz vorgaukelnd – in den Tempel durch einen der geöffneten Seiteneingänge. Nachts ist der Besuch des Tempels nicht möglich aber wir sahen das offene Tor als Einladung einige Fotos zu knippsen bis ein junger Syrer vom hinteren Teil des Tempels auf uns zu ging. Er erklärte uns, dass der Tempel geschlossen sei. Ich tischte ihm eine Geschichte auf: „Oh, we didn’t know that. We just arrived tonight and saw that the gate was open“ worauf er seinen Kopf schräg stellte und mich aus seinen kleinen dunklen Augen mißtrauisch ansah und erwiderte: „Well I saw visiting the temple earlier today and now the temple is only open for me“. Grinsend verwickelte ich ihn eine sehr oberflächliche und belanglose Konversation über Tempel im Mondlicht und verschaffte somit dem wild mit der Kamera um sich schießenden Fabi ein wenig mehr Zeit Fotos vom nächtlichen Tempel zu machen bevor wir uns freundlich verabschiedeten und zurück ins Hotel rollten.

Ein langer und verdammt guter Tag neigte sich dem Ende zu. Wir schmissen uns zwischen die Laken und ließen uns vom Schlaf übermannen.

Shalom

Tetraphylon

Oase

fabiundtempel

Hamawasserraeder

Mountain View

August 1, 2009

Mountain view

Drawbridgemonolith

Qalat Saladin

August 1, 2009

qalat saladin

Intro

Mein 41. Tag in Syrien (plus 2 im Lebanon) begann mit einem kurzen und sehr anstrengenden Lauf auf der Corniche von Lattakia. Die Bedingungen waren vermeintlich günstig, aber ich musste mich nach 25 Minuten, der brutalen Frühsonne, der fehlenden Mittelmeerbrise und der Waschküchenschwüle geschlagen geben. Als ich gegen 8:30 ins Zimmer zurückkehrte nahm mich Fabi schlaftrunken aber ganz guter Dinge in Empfang. Obwohl es ihm immer noch nicht besonders gut ging, weil die Stabilität seines Stuhles immer noch zu Wünschen übrig ließ, muss ich anerkennenden mein gülden behaartes Haupt verneigen, weil er wie ein echter Krieger immer wieder von der Toilette aufstand und weitermachte – und das guter Dinge. Respekt.
Unser heutiger Plan war es von Lattakia zur Kreuzritterburg Qalat Saladin zu cruisen, dann ein 2.500m hohes Gebirge zu überqueren, um schließlich die Römerstadt Apamea zu beglotzen und unser Basecamp Hama eine Tag verspätete mit unser Präsenz zu segnen. Nur mit einer Karte bewaffnet, fuhren wir nördlich in Richtung Aleppo in der Hoffnung irgendwann auf wegweisende Schilder zu treffen, die uns mit einiger Sicherheit zur Burg leiten würden. Leider fanden sich keine Schilder und nachdem Fabi etwas nervös wurde, dass wir unsere Abzweigung in die Berge verpasst haben könnten, hielten wir an und ich versuche einem jungen Mann, der an deiner Bushaltestelle sich die Beine in den Bauch wartete, in meinen bröckligen Arabisch zu entlocken wo die Abfahrt zum Qalat Saladin zu nehmen sei. In Arabisch gab er uns zu verstehen, dass wir ganz in der Nähe der Abfahrt befänden und er auch die Richtung müsse. Zur Sicherheit verfrachteten wir ihn auf die Rückbank von der aus er uns Signale und Richtungsanweisungen gab. Als wir ihn in seinem staubigen Bergdorf ablieferten, waren wir wieder auf uns alleine gestellt – was uns in tiefer Diskussion über die Bedeutung und mögliche anthropologische Verankerung von Religion und insbesondere von Transzendenzerfahrungen für Gläubige und die Menschheit an sich in ihrem kulturellen Evolutionsprozess – zu einer Fülle von unaufmerksamen Verfahren und Irrfahrten durch das syrische Gebirge verleitete – insgesamt ging unsere Diskussion über 2 Stunden – auch während des Besuchs der Burg – und wir klärten das Problem. Für Fragen bitte persönlich kontaktieren 🙂

Qalat Saladin

Herabgeschlängele auf Serpentinen brachte uns in ein von tiefgrünen Pinien bewaldtetes Tal – was für ein wundervoller Geruch – an eine enge Felsschlucht, über der auf einem Felsplateau die Burg prangte. Mitten in der Straße stand ein ca. 30m hoher, 1m x 2m breiter rechteckiger Monolith, der vor 800 Jahren als Stütze der Zugbrücke gedient hat! Was für ein Anblick… schon wieder waren wir in einer Tolkienschen Herrderringefantasywelt eingetaucht. Die Burg, die etwas verwirrenderweise nach Sala al-Din benannt ist, wurde von Richard de Saone erbaut und nicht von einem der berühmtesten Ritterorden, weswegen das Areal zwar riesig und die Burganlage wunderschön ist, aber sie relativ schnell von den Muslimen erobert wurde und rapider als z.B. der Krak de Chavalier von der Witterung zum bröckeln gebracht wurde. Was diese Burg so einzigartig macht – zumindest für Syrien – ist das Setting; in Mitten von malerischen und duftenden Pinienwäldern.

Ueber Berg und Tal nach Hama
Gegen 14 Uhr hatten wir uns satt gesehen und brachen auf über das Gebirge zu ziehen, was sich aber als eine langwierige jedoch interessante Aufgabe herausstellte. Bis zur Burg waren die Dörfer im Gebirge eher ärmlich und spärlich entwickelt gewesen und je weiter wir Richtung Gipfel kamen, desto touristischer und reicher wurden die Bebauungen. Überall begegneten wir weißen SUVs aus dem KSA (Königreich Saudi Arabien) und anderen Golfstaaten und waren der Meinung, den einen oder anderen Straßenstricher gesehen zu haben. Es kann auch nur eine unfundierte Vermutung sein, aber als wir anhielten und unschlüssig vom Straßenschild zur Karte hin und her schauten, klopfte es plötzlich an unserer Scheibe. Ein junger Mann deute mir das Fenster herunterzulassen. Ich fragte ihn sofort wo es nach Hama ging, aber er wollte wissen ob wir nicht hier in der Nähe schlafen würden, und deutete auf die Rückbank und presste dann zwischen seinen vergilbten Zähnen eine „Isch libbe Disch“ heraus. Er lehnte si(s)ch auch weiterhin an unser Auto auch nachdem wir ihm sehr deutlich gemacht hatten, dass wir weiterfahren würden…. Im weiteren Straßenverlauf sahen wir mehrere ähnlicher junger Männer, die scheinbar willkürlich am Wegesrand den Autofahrern schöne Augen machten… Man weiß es nicht, aber so etwas habe ich noch nicht in Syrien erlebt und so mancher Golfscheichprinz soll ja fürs andere Team spielen.
Am Gipfel angekommen wurden wir für unsere Strapazen belohnt und ein umwerfender Blick in das von Landwirtschaft gekennzeichnete Tal breitete sich vor uns aus. Allerdings verharrten wir nur für ein Foto außerhalb des Autos, da uns der baumverbiegende Wind praktisch den Kamm hinunter zu blasen drohte. Nach einer uns endlos erscheinenden Fahrt durch Felder und entlang Bewässerungskanälen kamen wir ENDLICH in Hama an. Fabis Körper hatte in der Zwischenzeit sich wieder auf Fiebermodus umgestellt und er musste so schnell wie möglich ins Horizontale gebettet werden, mit einem kurzen Zwischenstopp auf dem Klothron. Wir fuhren so schnell es ging an den überdimensionalen Wasserrädern aus der Römerzeit vorbei zum vermeintlichen 5 Sterne (nach syrischen Standards) Hotel Cham Palace mit dem Plan ein einigermaßen komfortables und bezahlbares Hotelzimmer herauszuhandeln. Pläne gehen schief. So wie dieser. 210 Euro sollte die Nacht kosten und das zellenartige Zimmer offenbarte zwar einen wundervollen Blick auf die Wasserräder, aber Fabi in einem Zwischenhoch entschied sich weiter zu fahren.

Night Nurse in Hama
Endlich kamen wir im Hotel Nouria unter, das etwas versteckt im 4 Stock eines 60er Jahre Baus mitten in der Innenstadt gelegen und nur per Aufzug erreichbar ist. Vom freundlichen väterlichen Concierge/Manager – studierter Chemiker – bekam Fabi sofort ein Breitbandkillallendallantibiotikum in die Hand gedrückt mit dem Befehlt nur noch Reis, trogggen Brot, Kartoffel und Joghurt (Darmflora hurrraaah) zu essen und endlich dem deutschen Aberglauben abzuschwören Coca Cola würde gegen IRGENDETWAS helfen. Der Roomservice lieferte dann eben genannte Köstlichkeiten für Fabi und massenhaft Pasta und Mezze für mich. Als der Roomservice Mensch dann klopfte um unser Geschirr abzuholen, dachte ich, ich würde dem jungen Mann entgegen kommen und balanzierte ein riesen Tablett mit allen Tellern, während ich versuchte die Tür auf zu machen, was auch noch gelang. Allerdings entglitt mir kurzfristig das Tablett und die Hälfte der Teller klatschte vor mir auf den Boden und gegen die Wand. Der schockierte Blick des Mannes war fast schon mitleidserweckend. Er fasste sich aber schnell, brummelte wiederholt „No Prrrroblem, no prrrroblem“ im Kanon zu meinen „Asif, I am soooo sorry, asif, asif“ und wir räumten alles auf. Er sprühte zweimal eine klare jedoch unidentifizierbare Flüssigkeit auf die Flecken und verschwand mit den nun NOCH weiter dezimierten Überresten unseres Essens.

Minioutro
Fabi entschlummerte früh – wieder vom Fieber gepackt – dieser anstrengenden Realität, während ich manisch Solitär unter meiner Bettdecke zockte.

Good night,

Shalom